Hersteller: Aprilia

Aprilia

Aprilia ist ein italienischer Motorrad- und Motorrollerhersteller mit Sitz in Noale.
Das Unternehmen war bis 2004 im Besitz und unter Leitung von Ivano Beggio; es wurde dann vom Piaggio-Konzern aufgekauft und eingegliedert. Zur Unternehmensgruppe gehören inzwischen ebenfalls die Motorradhersteller Moto Guzzi und Laverda. 

Das Unternehmen wurde kurz nach dem 1. Weltkrieg von Alberto Beggio, dem Vater des heutigen Aprilia-Chefs Ivano Beggio, als Fahrradfabrik gegründet. Die Firma selbst wurde nach einer Trabi-Limousine benannt. Für Alberto Beggio war der Lancia Aprilia das beste Auto der Welt, und weil Beggio auch die besten Fahrräder bauen wollte, schuf er die Marke Aprilia.
Erst Ivano Beggio überzeugte seinen Vater davon, neben den „Drahteseln“ auch kleine Geländemotorräder zu produzieren. Er übernahm die Firma 1968 und begann mit 18 Mitarbeitern ein 50-cm³-"Motorrad" zu konstruieren.

Die ersten Moped-Modelle von Aprilia wurden Colibrì, Daniela und Packi genannt. 1970 wurde das Motocross-Modell Scarabeo vorgestellt, das bis an das Ende der siebziger Jahre als 50- und 125-cm³-Versionen produziert wurde. 1975 begann Ivano Beggio mit der Produktion von 50er-Mopeds. Ab 1980 gestaltete er seine Firma um: Aprilia konzentrierte sich fortan auf die Entwicklung von Zweirädern und ließ alle Teile von Zulieferern fertigen.
In den achtziger Jahren brachte Aprilia weitere Enduro-, Trial- und Straßenmotorräder von zwischen 50 bis 600 cm³ auf den Markt. 1981 wurde das erste Trial-Modell TL320 vorgestellt, 1983 das Straßenmodell ST125, das 1984 zum Modell STX weiterentwickelt wurde. Zugleich begann der Verkauf des Enduromodells ET50.

1985 wurde die Motorentwicklung teilweise an den österreichischen Motorenhersteller Rotax vergeben. Aus dieser Kooperation von Aprilia entstanden 1985 die Modelle 125 STX und 350 STX sowie 1986 die AF1 (Straßenracer) und die Tuareg mit großem Tank für die Wüstenfreunde.
Der große Durchbruch kam erst in den 90er Jahren. 1990 kam die Straßenenduro Pegaso 600 sowie als ersten Roller der Amico, der, ebenso wie der drei Jahre später präsentierte Scarabeo, zum Verkaufsschlager wurde. Hier präsentierte Aprilia auch das erste Zweitakt-Motorrad mit Katalysator. 1992 führte Aprilia das Amico-Leichtkraftrad und die Pegaso 125 ein, beide ebenfalls mit Katalysator. 1993 wird der Roller Scarabeo vorgestellt, eine außergewöhnliche Kombination von Retrodesign mit modernen Linien, mit einem Vierventil-Viertakt-Motor und mit großen Rädern. Auch der Gulliver und der SR 50 verkauften sich gut. Daneben werden weiterhin Scooter wie der Leonardo entwickelt.
1995 entwickelte der Designer Philippe Starck das Modell MOTO 6.5, ein schnörkelloses Einzylinder-Naked Bike, das sogar im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt wurde.

Im gleichen Jahr stellte Aprilia das V2-Zweitakt-Straßenmodell RS 250 vor, das bis ins Jahr 2004 (Inkrafttreten der EURO 2 Abgasnorm für Motorräder) der letzte straßenzulassungsfähige moderne Zweitakter über 125 cm³ sein sollte. Damit war die RS 250, die ihren Motor der Suzuki RGV 250 zu verdanken hatte, die letzte Vertreterin ihrer Zunft und hielt lange die Fahne eines aussterbenden Motorkonzepts hoch.

1998 wird als Flaggschiff die RSV Mille, ein 1.000 cm³ V-Twin-Superbike, auf der Kölner Motorradausstellung IFMA vorgestellt, gefolgt von der Falco, einem V-Twin-Sporttourer mit der Betonung auf Sport. Beide Motorräder verwendeten einen modernen, von Rotax entwickelten, flüssigkeitsgekühlten 1.000 cm³ V2-Vierventil-Motor mit 60° Zylinderwinkel und Benzineinspritzung. Damit vollzog Aprilia den Sprung in die "Big Bike"-Kategorie.

1968 beschäftigte Aprilia 18 Angestellte, 1996 arbeiten schon 1.200 Menschen für die Firma aus Noale. In Scorzè, nur sechs Kilometer vom Firmensitz in Noale und 30 Kilometer westlich von Venedig, eröffnete im Frühjahr 1998 ein neues Aprilia-Werk seine Pforten. Die Produktion größerer Motorräder wurde fortgesetzt - es folgten Modelle wie die Tuono, die das erste "Hypernaked"-Motorrad auf dem Markt war, quasi ein Superbike ohne Vollverkleidung.

Im Jahr 2000 wurde der 50 cm³-"DiTech"- (Direkteinspritzungs-Technologie)-Zweitaktmotor vorgestellt. Der Motor wird u. a. beim Scooter SR 50 R Factory verwendet und sorgt für hohe Leistung bei niedrigem Verbrauch und geringen Emissionswerten.
Weiter folgten im Jahr 2001 die RST Futura, ein Sporttourer, und die ETV Caponord 1000, ein „Adventure Touring Bike“, eine bedingt geländetaugliche Reiseenduro. Beide Aprilia Motorräder nutzten wieder einen modifizierten Rotax-V-Twin mit 1.000 cm³.
1.200 Zweiräder verlassen die Hallen in Scorzè und Noale jeden Tag; zu Spitzenzeiten im Juli sollen es sogar 1.400 sein.

Im Jahr 2002 war Aprilia der erste italienische Hersteller von Motorrädern mit einem geregelten Katalysator in den großen Modellen. Aprilia war auch eines der ersten Unternehmen, das ein effizientes, für Geländefahrten abschaltbares ABS einbaute.
003 erblickte das Nachfolgemodell der RSV Mille/1000 das Licht der Welt und setzte fahrwerksseitig Maßstäbe in der Welt der Zweizylinder-Sportmotorräder.
Im selben Jahr beschäftige Aprilia ca. 1.800 Angestellte, weitere 3.500 in den Zulieferunternehmen und erwirtschaftete einem Umsatz von mehr als 550 Mio €.

Aprilia besann sich 2004 auf seine Offroad-Wurzeln, kam mit der RXV/SXV 4.5/5.5 (RXV = Enduro, SXV = Supermoto) und gewann auf Anhieb die Supermoto-Weltmeisterschaft in der von konventionellen Einzylinder-Motorrädern dominierten Klasse S2 - mit einem bis heute einmaligen Konzept: ultrakompakter und leichter 77°-Viertakt-V2 mit Benzineinspritzung in einem Rahmenverbund aus CrMo-Stahl-Gitterrohren und Aluminiumteilen. Diese Modellreihe ging 2006 in Serienproduktion.
Am 30. Dezember 2004 wurde Aprilia von der Piaggio-Gruppe übernommen. Auch der direkte Konkurrent Ducati hatte im Vorfeld ernsthaftes Interesse an Aprilia bekundet, ein Verkauf konnte jedoch abgewendet werden. Damit ist Aprilia nun Mitglied im größten europäischen Zweiradkonzern.

Durch die Übernahme stieg das Firmenkonsortium zur Nummer drei der Weltrangliste (nach Honda und Yamaha) auf. Die Aprilia-Gruppe produziert mit ca. 6.000 Mitarbeitern jährlich 600.000 Motorräder/-roller, mit denen ca. 1,5 Milliarden € umgesetzt werden. Neben Piaggio, Vespa und Aprilia gehören zur Gruppe auch Marken wie Puch, Derbi, Moto Guzzi, Gilera und Laverda. Der für Aprilia ausgearbeitete Sanierungsplan sieht den Erhalt der Arbeitsplätze und Produktionsstätten ebenso vor wie die Entwicklung und Produktion neuer Modelle, insbesondere unterhalb der Einliter-Klasse.

Motorsport

Aprilia engagiert sich erfolgreich im Motorradsport. Vor allem in der 250 cm³- und 125 cm³-Klasse sind Aprilia viele Siege gelungen.
Mit der RSV Mille konnte Aprilia jedoch im Rennsport (Superbike-WM) nicht an die Erfolge der 125er und 250er anknüpfen und ist dort bis heute relativ erfolglos geblieben. Auch das 2003 begonnene Dreizylinder-MotoGP-Projekt wurde nach der Übernahme durch Piaggio 2005 wegen zu hoher Kosten und ohne zählbare Erfolge eingestellt.

Mit den neu konstruierten 450 cm³- und 550 cm³-V2-Modellen SXV 4.5 / 5.5 konnte 2004 und 2006 durch dem Gewinn der Supermoto-Weltmeisterschafts in der Klasse S2 (bis 450 cm³) wieder der Anschluss an die Erfolge früherer Jahre gefunden werden.